Raum im Kopf

Gerade im Moment, während ich diese Zeilen schreibe, merke ich wie schwierig es sein kann Raum zu schaffen, besonders im Kopf.

Es ist Vormittag und nach dem Feiertagswochenende gibt es einiges Organisatorisches zu erledigen: Anfragen für Termine und Kurse sind zu beantworten, sie erreichen mich telefonisch, per Mail, SMS und WhatsApp und da gilt es keine zu übersehen. Ein Newsletter gehört geschrieben. Die Grundinformationen zum bald startenden Beckenbodenkurs müssen noch verschickt werden, was in einem Präsenzkurs in 20 Minuten besprochen wird, ist online eine stundenlange schriftliche Vorbereitung. Am Morgen hatte ich noch dazu einen t-o-l-l-e-n Einfall für meine neuen Newsletter Abonnenten, den möchte ich am besten sofort auf die Webseite schreiben. Am Wochenende habe ich eine für mich ganz neue Art der Meditation aufgenommen, die mag  nochmal gehört, begutachtet und dann verarbeitet werden. Der MittwochsImpuls für meine Embrace-Kundinnen muss gestaltet werden…. und so weiter und so fort. Ein Kuddelmuddel durch und durch! Nix geht mehr. 

 

Du kennst solche Momente sicher.

 

Und gerade diese Situation passt punktgenau zum heutigen Blog-Thema: “Raum im Kopf”.

Das Kuddelmuddel muss entwirrt werden: ich brauche dafür Struktur und schreibe mir auf Post- its die 3 wichtigsten To-Do's, denn ehrlich, mehr schaffe ich bis Mittag sowieso nicht. Danach werden die einzelnen Punkte in Zeitfenster eingeteilt. Der Timer am Handy gestellt. Für diesen Artikel hier nehme ich mir eine halbe Stunde Zeit. Wenn es klingelt höre ich auf, mache eine kurze Atempause, oder gehe in den Garten (welch Luxus!), danach geht es weiter mit dem nächsten Thema. Ich kann damit, nach Jahren der Übung, sehr gut.

 

Und siehe da, mein Körper entspannt sich und die Gedanken werden klarer. Denn die Wahrheit ist, es läuft mir nichts davon. Ich habe genug Zeit eingeplant und ich werde pünktlich mit meinen Vorhaben fertig.

 

Kannst du mitfühlen, wie es Druck heraus nimmt?

Ich habe mir Raum geschaffen und nun ist es mir viel leichter möglich, mich auf das Schreiben zu konzentrieren.

 

Sich Raum nehmen, sich Raum zu schaffen, ist ein immer wiederkehrendes Thema, nicht nur bei mir, auch bei meinen Kundinnen.

Heute möchte ich dich einladen, dir Fühlraum zu schaffen und somit die Fähigkeit zu trainieren mehr und mehr DA zu sein.

So oft sind wir gar nicht bei der Tätigkeit die wir gerade tun, oder bei dem Menschen der uns gerade gegenüber steht. Unsere Gedanken galoppieren in die Vergangenheit, in die Zukunft, in Bilder des sich ausmalens von Worst Case Szenarien oder wir stellen uns vor wie uns die Königin zum Tee einlädt. 

Ich übertreibe. 

I know. 

 

Trotzdem sind wir oft viel zu weit weg und nehmen uns damit die Sinnlichkeit des Moments. Die Begegnung mit unserem Gegenüber, die Worte und Gefühle, den Geruch und die Bilder die JETZT da sind, bekommen wir gar nicht richtig mit. So schade.

 

Mir ging und geht es nicht anders. 

Doch ich übe, immer wieder und trainiere so meinen Achtsamkeitsmuskel. 

Halte inne, oft nur im inneren, um zu fühlen was ich gerade tue, die Farben in mich aufzunehmen und bewusst zu atmen, hin zu hören ...

Manchmal fühlt sich das so an, als ob der Moment sich ausdehnt, in Raum und Zeit hinein. Ich beginne Weite zu spüren und das wirkt sich immer aus: auf meine Enge im Kopf, auf meine Verspannung im Körper.

 

Und schon geht es wieder weiter, der Alltag macht natürlich nicht halt. Doch er reißt mich nicht mit in den Strudel unsinniger Geschäftigkeit. Und wenn es doch passiert, nutze ich meine Werkzeuge um mir wieder Raum zu nehmen.

 

Und so weiß ich mittlerweile ganz gut, dass die Welt nicht zusammenbricht, wenn ich eine Stunde für niemanden erreichbar bin, um in dieser Zeit ganz bei mir zu sein.

Ich lerne täglich, dass es nicht die Fülle und das “mehr von…” ist, die mich lebendig werden lässt, sondern dem Wenigen mehr Raum zu geben, mehr Raum für nachspüren, mehr Raum für Langsamkeit, mehr Raum für …, ist das was mich mehr und mehr erfüllt.